Optimierung des Open Peer Review-Verfahrens

Die Informationspraxis setzt zur Qualitätssicherung ein Open Peer Review-Verfahren (OPR) ein. Nach den ersten Erfahrungen und Rückmeldungen aus der Community zeigen sich einige Punkte, die überdacht, diskutiert und eventuell verbessert werden können.

Kommentare und Reviews

Grundsätzlich sind uns alle sachlichen Kommentare im Rahmen des OPR willkommen. Die im Blog abgegebenen Kommentare werden von der Redaktion gesammelt und zum Abschluss des Verfahrens an die Autorinnen und Autoren weitergeleitet. Die Hinweise auf falsch zugeordnete Zitate, auf fehlende Angaben, nicht aktuelle Zahlen etc. sind nützlich und dienen der Verbesserung der Beiträge. Diese Kommentare ersetzen jedoch nicht eine eingehende Prüfung des Beitrags im Rahmen eines ordentlichen Reviews.

Die Kommentare werden – wie in einem früheren Blogbeitrag bereits erläutert – oft nicht auf der Plattform abgegeben, sondern auf allen möglichen Kanälen – von Twitter bis zu eigenen Blogs und direkten Mails an die Autorinnen und Autoren. Es ist der Redaktion nicht möglich, diese verteilten Rückmeldungen und Kommentare zu sammeln und den Autorinnen und Autoren zukommen zu lassen. Es ist also für die Transparenz des Vorgangs und die Möglichkeit der Rückmeldung an die Autorinnen und Autoren wichtig, dass die Kommentare auf der dafür vorgesehenen Plattform, im Blog der Informationspraxis, eingereicht werden.

Diese Kommentare können das ordentliche Review also nicht ersetzen. Es ist deshalb für den Erfolg des OPR entscheidend, dass die Artikel gründlich und strukturiert begutachtet werden. Was verstehen wir unter einem „richtigen“ Review?

„Ordentliches“ Open Peer Review

Ein klassisches Review erfolgt auf der Basis von Fragen, die den Gutachterinnen und Gutachtern in der Regel durch die Redaktion bereitgestellt werden. Das Review soll sicherstellen, dass es sich um originale Forschung handelt, dass Quellen korrekt zitiert werden, dass die eingesetzten Methoden überprüfbare Ergebnisse liefern, dass der Beitrag wissenschaftlichen Kriterien genügt usw. Auch die Informationspraxis bietet eine solche Hilfestellung für Reviewerinnen und Reviewer in Form von Richtlinien für GutachterInnen. Wir stellen uns ein „richtiges“ Review im Sinne des OPR so vor, dass sich eine Fachperson des Beitrags annimmt, ihn nach diesen Richtlinien begutachtet und dieses Review unter seinem Namen als Kommentar ins Blog hochlädt. Ein Beispiel dafür gibt Beat Mattmann in seinem Kommentar zum Beitrag von Mumenthaler/Schuldt. Der Unterschied zum klassischen Peer Review besteht primär darin, dass das Review nicht anonym erfolgt und dass es offen einsehbar ist. In den Punkten Genauigkeit, Kompetenz und Sachlichkeit sollte ein Open Peer Review jedoch dem klassischen ebenbürtig sein.

Verpflichtung zu OPR

Wir möchten daran festhalten, dass Autorinnen und Autoren sich freiwillig dem OPR-Verfahren unterziehen können. Wer einen Fachartikel einreicht, kann also wählen, ob er ein klassisches oder das Open Peer Review-Verfahren durchlaufen soll. Wir finden, dass wir möglichst keine Autorinnen und Autoren abschrecken möchten. Wir sind noch dabei (mit wir ist hier die ganze Community gemeint), Erfahrungen mit dem OPR zu sammeln. Die Redaktion hat Verständnis dafür, falls jemand lieber auf ein klassisches Review setzt und sich nicht dem öffentlichen Verfahren aussetzen möchte. Allerdings möchten wir das Verfahren einheitlich gestalten (siehe oben) und bei den publizierten Artikeln angeben, welches Review sie durchlaufen haben.

Der Open-Peer-Review-Eid

Nora Schmidt hat uns einen Vorschlag zur Verbesserung des OPR hingewiesen. In: Aleksic J, Alexa A, Attwood TK et al. An Open Science Peer Review Oath, F1000Research 2015, 3:271, http://dx.doi.org/10.12688/f1000research.5686.2 wird ein OPR-Eid vorgeschlagen, den wir gerne für das Open Peer Review-Verfahren der Informationspraxis übernehmen würden (eigene Übersetzung aus dem Englischen):

  1. Prinzip: Ich werde mein Review mit meinem Namen unterzeichnen.
  2. Prinzip: Ich werde mit Integrität begutachten.
  3. Prinzip: Ich werde das Review als Dialog mit der Autorin/dem Autor behandeln; Ich werde insbesondere konstruktive Kritik üben.
  4. Prinzip: Ich werde eine Botschafterin/ein Botschafter für die Praxis von offener Wissenschaft sein.

Wer sich an dieser „Verschwörung“ beteiligen möchte, ist also herzlich eingeladen: Begutachen Sie Beiträge aus Ihrem Fachgebiet und stellen Sie Ihr Review der Öffentlichkeit zur Verfügung.

2 Gedanken zu „Optimierung des Open Peer Review-Verfahrens

  1. Bernhard Mittermaier

    Ich würde die Anforderungen an „richtiges“ Open Review nicht so hoch hängen. Ich begrüße jede einzelne Kommentierung, die zu einer Verbesserung des Beitrag führt – nicht nur ein einzelnes, vollständiges Gutachten. Auf meinen eigenen Beitrag hin habe ich auf verschiedenen Kanälen mehrere kleinere Anmerkungen erhalten, die ich alle nicht missen möchte und die in der finalen Version berücksichtigt werden. Sie sind aber weder einzeln noch in der Summe eine vollständige Begutachtung im Sinne der Richtlinien für Gutachterinnen (welche ich im übrigen nur als Leitfragen für die Begutachtung betrachte und nicht als ein Fragenkatalog, der im Review Punkt für Punkt beantwortet werden muss).

    Antworten
  2. Christian Hauschke

    Vielen Dank für die Rückmeldung!

    Das ist ein wichtiger Aspekt, den wir nicht unterbewerten sollten. Wem eine Kleinigkeit auffällt, der sollte auf keinen Fall davon abgehalten werden, diese auch direkt und unkompliziert anzumerken.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.