Open Peer Review: Social Media-Aktivitäten wissenschaftlicher Bibliotheken – Ergebnisse einer Bachelorarbeit

Autorin: Anika Pfützner
Titel: Social Media-Aktivitäten wissenschaftlicher Bibliotheken – Ergebnisse einer Bachelorarbeit

Volltext des Artikels (PDF)

Zusammenfassung
Laut der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest gehören Computer und ein Internetanschluss heutzutage genauso selbstverständlich zur technischen Grundausstattung wie ein Fernsehgerät oder das Handy bzw. Smartphone und sind in fast allen Haushalten (min. 98%) zu finden (mpfs [2014], S. 23, 27). Laut der gleichen Studie halten sich vier von fünf der 12-19 Jährigen täglich im Internet auf. Die Hauptaktivitäten sind mit Freunden chatten, Online-Communities wie z.B. Facebook nutzen und E-Mails versenden und empfangen. So findet die Kommunikation von Privatpersonen und Unternehmen heute zu einem immer größer werdenden Teil in sozialen Netzwerken und über verschiedenste Internetdienste statt. Facebook ist mit über einer Milliarde Nutzern das größte soziale Netzwerk weltweit (Allfacebook [2013]). Durchschnittlich sind 802 Millionen aktive Nutzer (Stand März 2014) täglich bei Facebook online, um mit Kontakten weltweit in Verbindung zu bleiben und interessante Inhalte miteinander zu teilen (Facebook [2014]). Es gibt sowohl private Nutzerprofile als auch Organisationen mit eigenen Facebook-Seiten als Nutzungsformen (Vgl. Neumann, M. [2014], S. 16). Neben Unternehmen sind seit einigen Jahren immer mehr Behörden, Verwaltungen und öffentliche Bibliothek in sozialen Netzwerken aktiv. Gründe für die Etablierung von Social Media-Maßnahmen sind u.a. Imagepflege, Erhöhung der Kundenbindung, Steigerung der Bekanntheit, Traffic-Erhöhung auf der eigenen Homepage, PR- und Marketing-Verbesserung sowie die Intensivierung des Kundendialogs. (Statista [2014]). Social Media kann das vorhandene Engagement der Öffentlichkeitsarbeit sinnvoll ergänzen. In der Bachelorarbeit wurden Social Media-Aktivitäten wissenschaftlicher Bibliotheken in Deutschland erfasst und ausgewertet. Bibliotheken investieren einen immer größer werdenden Teil ihrer finanziellen Mittel in den Ausbau der elektronischen Angebote. So haben sich der Anteil der Ausgaben für elektronische Medien am gesamten Medienetat in wissenschaftlichen Bibliotheken zwischen 2007 (19%) und 2012 (41%) mehr als verdoppelt lt. Hochschulbibliothekszentrum 2012 (Vgl. Hennies, M. [2013], S. 243). So stehen den Nutzern immer mehr Bibliotheksbestände online zur Verfügung. Diese Bestände besser sichtbar zu machen, ist nur eine Möglichkeit, die durch eine gute Social Media-Kommunikation erreicht werden kann. Die meisten Bibliotheken haben die Entwicklungen erkannt und Social Media-Aktivitäten in die Öffentlichkeitsarbeit integriert. Jedoch müssen alle Maßnahmen in der Gesamtstrategie klar strukturiert und professionell sowie interessant gestaltet werden, sonst kann das Image darunter leiden. Ob Facebook und Twitter in den nächsten Jahren noch die Kanäle der Wahl sind, kann aus heutiger Sicht nicht abgeschätzt werden. So wie sich die Nutzungsbedürfnisse ändern, können sich auch die Kommunikations- und Informationsbedürfnisse der Zielgruppen ändern. Unstrittig ist jedoch, dass es auch in Zukunft Kanäle und Netzwerke geben wird, die für die verschiedenen Zielgruppen relevant sein werden. In diesem Bereich gilt es wachsam zu sein und diese Nutzungsänderung frühzeitig zu erkennen und die Angebote dementsprechend anzupassen. Zu beachten ist weiterhin, dass der Social Media-Kanal nicht nur als Push-Kanal gesehen werden darf, sondern als Plattform für den Kundenservice und den Austausch mit der Zielgruppe verstanden wird. Trotzdem kann eine solche Präsenz neben vielen Chancen auch negative Folgen haben. So kann es zu unerwünschten Nebeneffekten wie z.B. beleidigende Kommentare oder einem Shitstorm kommen. Diese Krisensituationen müssen von den Verantwortlichen rechtzeitig wahrgenommen und professionell bearbeitet werden. Diesen Risiken muss sich jede Einrichtung bewusst sein und es ist sicher hilfreich eine konkrete Notfallstrategie zu erarbeiten. Die Auswertung der wissenschaftlichen Bibliotheken stellt ausschließlich einen kleinen Ausschnitt des deutschen Bibliothekswesens und deren Angebote in sozialen Netzwerken dar. Die Relevanz von sozialen Netzwerken wird auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Beispielsweise im Bereich Personal (Personalgewinnung, Personalbranding etc.) ist das Potential der Netzwerke noch nicht ausgeschöpft. Für einige Bibliotheken hat der Kampf um geeignete Mitarbeiter bereits begonnen.

Schlüsselwörter
Bibliotheken; Social Media

Lesen Sie bitte diese Hinweise zum Open Peer Review in Informationspraxis und nutzen Sie die Kommentarfunktion hier im Blog für ihre Beiträge zum Open Peer Review.

3 Gedanken zu „Open Peer Review: Social Media-Aktivitäten wissenschaftlicher Bibliotheken – Ergebnisse einer Bachelorarbeit

  1. Markus Trapp

    Das wichtigste vorneweg: Anika Pfützner hat hier einen guten Text abgeliefert, dessen Lektüre ich empfehlen kann. Es wird deutlich, dass sich die Autorin im Rahmen ihrer Bachelorarbeit breit zum Thema Social Media in wissenschaftlichen Bibliotheken informiert hat. Meine Kritik im Einzelnen, in manchen Punkten der Zeitknappheit geschuldet, in Kurzform:

    Die Orthographie muss – wie so oft, jede/r kennt das – noch einmal überarbeitet werden: es sind einige Flüchtigkeitsfehler im Text, die den professionellen Eindruck schmälern. Habe leider nicht so ein schickes PDF-Annotations-Tool zur Hand wie Adrian Pohl in seinem hier

    http://informationspraxis.de/2016/01/30/neuer-beitrag-lernort-oeffentliche-bibliothek-und-open-eductional-resources-oer-zusammenbringen-was-zusammen-gehoert/#comment-8598

    eingestellten Peer Review, kann aber der Autorin auf Wunsch gerne ein annotiertes PDF zukommen lassen, in dem ich die gefunden Fehler markiert habe.

    S. 21: „2.1.3 Personal“
    Die hier zitierten und von A. Busse gemachten Angaben zum geschätzten Zeitaufwand von Social Media („So benötigt man für Facebook zwischen zwei bis vier Stunden pro Woche[…]“) sind sehr pauschal. Bei allem Verständnis, dass solche Richtwerte von der Personalplanung gerne abgefragt werden, wäre eine kritische Relativierung durch die Autorin angemessen gewesen.

    S. 22: „2.2.2 Professionelle Inhalte“
    Das in Social Media Dargestellte muss immer auch gut aussehen. Das ist ein Punkt, der von vielen Bibliotheken (oder anderen Anbietern von Information) häufig unterschätzt wird. Deshalb ist es gut, dass die Autorin diesen Punkt herausstellt: „Die verschiedenen Inhalte sollen an die Unternehmensziele angepasst sein und die Zielgruppe ansprechen, dabei ist es vor allem wichtig, die Beitrage auch visuell ansprechend zu gestalten.“

    S. 27: Ebenfalls wichtiger und sehr guter Punkt (da manche dem Irrtum verfallen, die Infos nur noch in Social-Media-Kanälen aber nicht mehr auf der eigenen Website, im eigenen Blog zu verbreiten): „Dreh und Angelpunkt der Kommunikation muss die eigene Homepage bleiben.“

    Einige Bemerkungen zur tabellarischen Übersicht am Ende der Arbeit, wo die Autorin sich dankenswerterweise die Mühe gemacht hat, die Social-Media-Aktivitäten von 68 wiss. Bibliotheken zu vergleichen und in einem Punktesystem zu bewerten (siehe tabellarische Übersicht am Dokumentenende, Erläuterungen dazu in 1.3.4 Kategorienschema S. 15)

    Dem grundsätzlichen Problem, dass es schwierig ist unterschiedlich große Bibliotheken miteinander zu vergleichen, wurde gut begegnet, indem sie nach Bestandsgrößen gruppiert und in der Übersicht in der Reihenfolge ihrer Benutzerzahlen aufgelistet wurden.

    Zu kritisieren ist jedoch der viel zu knappe Zeitraum der Beobachtung der Social-Media-Aktivitäten der einzelnen Bibliotheken, der auf nur eine Woche begrenzt wurde. In manchen Zeitangaben wird von 02.-09. März, in anderen vom 3.-10. März (beides 2015) gesprochen. Aber eine Woche ist viel zu knapp, mindestens zwei Wochen hätten eine fundiertere Zahlenbasis ergeben. Es ist schon klar, dass eine solche Erhebung viel Mühe macht, aber gerade deshalb hätte sie auf solideren Füßen stehen sollen, die den Zufall mehr ausschließt.

    Zu der Einrichtung, für deren Social-Media-Arbeit ich zuständig bin, möchte ich noch auf zwei Fehler hinweisen: Wir werden dort geführt als Hamburg SuUB, richtig ist: Hamburg SUB. Und in der Rubrik Verwendung des Logos in den Social-Media-Kanälen zeigt die Tabelle für die SUB Hamburg 0 Punkte. Doch wir haben in allen Social-Media-Kanälen von Anbeginn das Logo der SUB Hamburg eingebunden.

    Trotz der hier aufgeführten Verbesserungsvorschläge und Kritikpunkte handelt es sich bei der Arbeit von Anika Pfützner um eine gute Übersicht zur vielfältigen Arbeit rund um Social Media in wissenschaftlichen Bibliotheken. Eine persönliche Anmerkung sei mir am Ende erlaubt: Mehrmals habe ich bei der Lektüre gedacht: „Wow, an was wir Social-Media-Zuständigen hier alles denken müssen bei unserer komplexen und zeitintensiven Arbeit“. Dass es auch im Jahr 2016 immer noch Bibliotheken gibt, die das Thema Social Media nicht auf dem Schirm haben und es gnadenlos unterschätzen, zeigt, dass hier noch Einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten ist. Auch dazu dient die hier vorgelegte Untersuchung.

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  2. Pingback: Aufklärungsarbeit in Sachen Social Media für Bibliotheken | Text & Blog

  3. Rudolf Mumenthaler

    Einige formale Aspekte: Der Titel gibt den Inhalt nur ungenau wieder. Besser wäre „ein Überblick über…“. Der Zusatz „Ergebnisse einer Bachelorarbeit“ könnte weggelassen werden, das wirkt eher abschreckend. Dafür im Beitrag auf die Bachelorarbeit verweisen. Ideal wäre, wenn sie zugänglich wäre und auf die Arbeit verlinkt werden könnte. Dadurch könnte der Beitrag auf das Wesentliche reduziert werden. Momentan wirkt er noch stark wie – eben – eine Bachelorarbeit. Die Zusammenfassung sollte stark gekürzt werden. Sie sollte keine Verweise auf Quellen etc. enthalten, sondern die Ergebnisse der Arbeit in kurzen Worten zusammenfassen. Insgesamt scheint mir der Beitrag zu lang. Ich finde es sehr gut, wenn Abschlussarbeiten als Zeitschriftenartikel aufbereitet werden. Aber dann wäre ein Umfang von so gegen 10 Seiten ideal. Im Moment scheint es mir zu nah an der Bachelorarbeit. Wenn also noch etwas verkürzt und komprimiert werden könnte, wäre das ein Gewinn. Die grosse Tabelle zum Schluss könnte dann separat (auf Zenodo) bereitgestellt werden.

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