Verheerender Großbrand in der Bibliothek für Sozial- und Geisteswissenschaften in Moskau

Ein Gastbeitrag von Ekaterina Vardanyan, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HTW Chur 

Der Brand in der Bibliothek für Sozial- und Geisteswissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften (INION) ist als eine nationale Tragödie zu bezeichnen. Er ereignete sich In der Nacht vom 30. auf den 31. Januar. Aktuell lässt es sich lediglich schätzen, welches Ausmass diese Tragödie für die Wissenschaft annehmen wird. Eines bleibt aber ganz sicher – sehr viele kostbare Sammlungen sind im Brand unwiderruflich verloren gegangen.

Bestand und Sammlungen:

Die Bibliothek verzeichnete 6 Mio. Bücher, 7,5 Mio. Exemplare periodischer Literatur, 19 000 audiovisueller Materialien, 121 000 Handschriften, 450 000 Dissertationen und andere Hochschulschriften – Fachliteratur in alten und modernen asiatischen Sprachen, aller europäischen Sprachen sowie in Russisch;  Teilweise einmalige Literatur aus dem 16. bis 20. Jahrhundert, eine Sammlung von Büchern in altslawischer Sprache, eine Sammlung von einmaligen Materialien vom Völkerbund und verschiedenen internationalen Organisationen, Parlamentsberichte aus den USA (seit 1789) und Grossbritannien (seit 1803) sowie eine unikale Sammlung von regionalen Zeitschriften und Zeitungen aus der Zeit des Bürgerkrieges von 1917 bis 1922. 

Was wurde zerstört?

Die aktuellen russischen Quellen liefern noch keine verlässlichen Informationen darüber, welches Ausmass der Zerstörung zu verzeichnen ist. Lediglich der Beschreibung des Brandeshergangs kann man entnehmen, was evtl. zerstört und was erhalten geblieben werden könnte.

Das Gebäude bestand aus 3 Stockwerken. Der Brand wurde im Dachgeschoss ausgelöst. Die Brandursache könnte laut vielen Quellen (ria.rugazeta.rulenta.ru) eine brennende in das Gebäude eingeflogene Feuerwerk-Rakete gewesen sein. Der Brand wütete fast 2 Tage, konnte aber in der zweiten Etage lokalisiert und gelöscht werden. Dabei wurden von 5000qm über 2000qm vollständig zerstört, wobei das Dach auf 1000qm zusammengebrochen ist. Einige Teile des Gebäudes wurden dermassen stark zerstört, dass das Gebäude auch jetzt noch als Einbruchsgefährdet gilt. In der obersten Etage befanden sich Lesesäle, Karteikatalog (Alphabetischer- und Schlagwortkataloge), Fachabteilungen und das Magazin der modernen Literatur (Präsenzbestand). In einem der Lesesäle befand sich unikale Sammlung von UN-Materialien, die nun vernichtet ist.  Diese Etage gilt als komplett zerstört. So kann man jetzt schon davon ausgehen, dass auch der Karteikatalog sowie der Präsenzbestand zerstört wurden. Im ersten Obergeschoss befanden sich Fachabteilungen sowie weitere Büros. Diese Etage wurde vor allem durch die Löscharbeiten sehr stark beschädigt. Die „Schätze“ (ca. 10 Mio. Exemplare) der Bibliothek wurden im Erdgeschoss aufbewahrt. Aber auch diese Etage hat einen erheblichen Wasserschaden erlitten. Das Hauptmagazin mit Handschriften und einmaligen Sammlungen wurde nicht stark beschädigt. Laut der Direktion der Akademie der Wissenschaften (ria.ru) könnten aber rund 15% dieser „Schätze“ durch das Wasser bereits jetzt beschädigt sein. Einige Quellen (lenta.ru) berichten, dass die Server-Räume vollständig unter Wasser standen.  Durch den Zusammenbruch des Dachgeschosses steht aber das Magazin im Erdgeschoss beinah unter dem freien Himmel.  Die gerettete Literatur muss dringend evakuiert werden. Eine Evakuierung wird durch die Zerstörung des OPACs und des Karteikatalogs sicherlich sehr erschwert sein. Aktuell werden die Trümmer durch die Feuerwehr aufgeräumt und die Evakuierung der Bibliothek vorbereitet.

Ekaterina Vardanyan

3 Gedanken zu „Verheerender Großbrand in der Bibliothek für Sozial- und Geisteswissenschaften in Moskau

  1. Pingback: Gastbeitrag zum Bibliotheksbrand in Russland | Infobib

  2. darja

    1. Es brannte nicht „die Bibliothek“ sondern das Institut komplett und 2. Das Institut heißt in der Wirklichkeit: „Institut für Wissenschaftliche Information zu Gesellschaftswissenschaften“. (Insitut nauchnoj informazii po obchestvennym naukam)-

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  3. Pingback: International Archives and Archivists Weekly News Roundup – February 6, 2015, part 1 | Global Notes

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