Open Peer Review

Die Informationspraxis bietet Open Peer Review (OPR) als Methode der Qualitätssicherung wissenschaftlicher Beiträge an. Was ist darunter zu verstehen und wie setzen wir es in Informationspraxis um?

Das klassische Peer Review-Verfahren steht schon seit längerer Zeit in der Kritik. Gerade in einer überschaubaren Community wie der Informationswissenschaft im deutschen Sprachraum ist die Forderung nach Anonymität der Beteiligten (AutorInnen und ReviewerInnen) kaum umzusetzen. Es wurden deshalb immer wieder – auch in der Debatte um #newLIS – neue Verfahren gefordert, welche die Möglichkeiten des Web 2.0 ausschöpfen.

Beim Open Peer Review werden Beiträge – allenfalls nach einer ersten Prüfung durch eine Redaktion – als Preprint sofort nach Einreichung veröffentlicht. Die Begutachtung findet anschliessend öffentlich und offen einsehbar statt. Die Autorin/der Autor nimmt die Kommentare der Peers auf und berücksichtigt sie bei einer Überarbeitung. Der gesamte Prozess (von der Einreichung bis zur Veröffentlichung des Beitrags) sollte innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein.

Besonderen Wert legen wir bei der Informationspraxis darauf, dass das Open Peer Review-Verfahren zu einer höheren Qualität der Artikel beiträgt und dass dies auf respektvolle und wertschätzende Art geschieht. Falls Sie als Autorin oder Autor Fragen an uns haben, wenden Sie sich doch direkt an die Redaktion.

In der Zeitschrift Informationspraxis wird das OPR folgendermassen umgesetzt:

  • Die Einreichung von Beiträgen erfolgt über das Open Journals System (OJS) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ip/
  • Die Autorin/der Autor weist seinen Beitrag der Rubrik „Fachbeiträge“ zu. Damit erklärt sie/er sich einverstanden mit der öffentlichen Begutachtung
  • Eine Redakteurin/ein Redakteur begutachtet den Beitrag formal und orthografisch und gibt ihn gegebenenfalls frei
  • Eine Gutachterin/ein Gutachter (Mitglied des Editorial Boards) übernimmt die Betreuung des Beitrags im OJS und die Korrespondenz mit der Autorin/dem Autor
  • Der Artikel wird als „NICHT BEGUTACHTETE PREPRINT-FASSUNG“ im PDF-Format ins Blog http://informationspraxis.de hochgeladen
  • In einer eigenen Rubrik im Blog (#OPR) werden die Preprints publiziert und zur Kommentierung freigegeben. Besonders wertvoll sind komplette Reviews.
  • Dazu sollen die für die Begutachtung erstellten Richtlinien (PDF) als Grundlage genutzt werden.
  • Alle können und dürfen Kommentare abgeben, wobei um Sachlichkeit und Einhaltung der Netiquette gebeten wird. Die Redaktion übernimmt die Moderation der Kommentare im Blog und behält sich vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die gegen die Grundsätze der Netiquette oder gegen den OPR-Eid verstoßen.
  • Nach vier Wochen wird die Diskussion abgeschlossen
  • Die Gutachterin/der Gutachter übermittelt die Kommentare und den Beitrag zur Überarbeitung an die Autorin/den Autor
  • Die Autorin/der Autor verarbeitet die Rückmeldungen aus der Diskussion und reicht die definitive Version ein
  • Die Gutachterin/der Gutachter laden die finale Version des Beitrags ins OJS
  • Die Redaktion übernimmt das Layouten und das Lektorat und schickt die gelayoutete Endversion an die Autorin/den Autor zur letzten Prüfung
  • Der geprüfte Beitrag wird von der Redaktion im OJS publiziert und mit einer DOI versehen
  • Im Blog wird die Preprint-Version mit dem Link zur offiziellen Publikation versehen
  • Vierteljährlich werden die erschienenen Beiträge zu einer virtuellen Ausgabe zusammengefasst.

11 Gedanken zu „Open Peer Review

  1. Gerald Langhanke

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungenen Ablauf, insbesondere die dauerhafte Dokumentation des Review-Verfahrens ist sehr zu begrüßen. Eine Frage hätte ich: Inwiefern wären das preprint und die zugehörigen Kommentare zitierfähig? Das ist ja insbesondere für die Fälle interessant, in denen das OPR zu erheblichen Änderungen oder sogar zu Ablehnung/Rückzug des Beitrags führen wird.

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  2. Rudolf Beitragsautor

    Danke für den Hinweis – wir werden die Frage in der Redaktion klären. Es ist momentan nicht vorgesehen, die Preprint-Version mit einer DOI zu versehen. So wie ich das sehe, werden wir die Preprint-Version samt der Diskussion im Blog behalten und dann mit dem Verweis auf die publizierte Endversion versehen. Falls es keine Publikation gibt, würde dann der Preprint als solcher zugänglich bleiben. Aber wie gesagt – das werden wir noch besprechen…

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  7. Nora Schmidt

    Zunächst: Ich finde es großartig, dass IP sich für OPR entschieden hat und auch den Workflow inkl. Moderation der Kommentare halte ich inhaltlich für zielführend. Allerdings habe ich eine Anmerkung zum Technischen: Ich finde es irritierend, dass das OPR auf einer anderen Plattform und Domain stattfindet. Wäre es nicht günstiger, zwei OJS-Journals unter der gleichen Toplevel-Domain, nämlich http://informationspraxis.de/, einzurichten, den OPR-Teil ähnlich wie bei Copernicus dann „IP Diskussionen“ o.ä. zu nennen und die Kommentarfunktion freizuschalten? OJS bietet die Möglichkeit, beide Journals z.B. über die horizontale Navigation gut zu verknüpfen bzw. könnte man die Standard-Inhalte („Über uns“ ect.) immer parallel halten, so dass kaum auffällt, dass es sich technisch um zwei Journals handelt. Es würde wahrscheinlich keine zusätzliche Arbeit machen, denn statt den Blog zu pflegen und neue Artikel in den Blog zu laden, müsste man ihn dann nach dem OPR in die IP per Schnelleinreichungsplugin laden. Der zusätzliche Aufwand gegenüber „normalen“ Zeitschriften wäre also nur an einer anderen Stelle im Workflow. Diesen könnte man sich allerdings auch gleich sparen, indem man folgende Rubriken führt: „Artikel (peer reviewed)“, „Aktuell diskutierte Artikel“ und „Bereits diskutierte Artikel“. Damit es übersichtlich bleibt, kann man je nach Artikelaufkommen z.B. halbjährlich die Ausgabe schließen und noch nicht fertig diskutierte Artikel in die neue Ausgabe mitnehmen. Ich hoffe, ich konnte halbwegs verständlich erklären, was ich meine.

    Ich denke, eingereichte Artikel sollten auch zitiert werden können, einen DOI erhalten und indexiert werden, wenn sie nicht bereits beim ersten redaktionellen Check durchfallen. Immerhin wird man den Artikel kaum mehr in einer anderen Zeitschrift unterbekommen, wenn er einmal hier diskutiert und nach dem OPR nicht angenommen wurde. Um das „Stigma“ im Rahmen zu halten, würde ich diese Artikel auch in keiner gesonderten Rubrik aufführen, sondern unter „Bereits diskutierte Artikel“.

    Schließlich finde ich, man sollte die Kommentarfunktion auch für Artikel freischalten, die das Prozedere bereits durchlaufen haben, weil ja viele wahrscheinlich erst die letzte Version lesen.

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    1. Rudolf Beitragsautor

      Herzlichen Dank für den Input! Wir werden uns diesen Vorschlag genau ansehen – und uns gerne bei allfälligen Fragen wieder an Sie wenden!

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