Aus #newLIS wird endlich mehr (@bibliothekarin)

Vor zwei Jahren schlug die Ankündigung der Zentral- und Landebibliothek Berlin, man gäbe den Bibliotheksdienst an de Gruyter, hohe Wellen in meiner Twitter-Timeline. Die Tatsache, dass man nicht den Weg von Open Access wählte, sorgte für Unmut und Unverständnis. Da die Zeitschrift auch nicht billiger wurde, häuften sich die Stimmen, die davon sprachen, den Bibliotheksdienst abzubestellen, aber auf der anderen Seite wurde deutlich, man braucht in der deutschsprachigen Bibliothekswelt eine Zeitschrift, deren Beiträge vielfältig, aber auch sofort zugänglich waren. Der Ruf nach Open Access wurde lauter und formierte sich unter dem Hashtag #newLIS. Die Diskussion schwappte nun unter diesem Schlagwort auch langsam nach Inetbib und in die Blogwelt.

Es wurde langsam unübersichtlich. Für mich stand bereits damals fest, wenn es nicht bei Lippenbekenntnissen und dem üblichen „Man müsste eigentlich …“ bleiben sollte, wäre es notwendig, diese Diskussion zu ordnen und auch außerhalb von Twitter und Inetbib transparent zu halten, sowie die Gedanken, die geäußert wurden, ein wenig zu sortieren. Als offenes Medium fiel mir das Etherpad ein und rasch begann ich und dann auch andere, dort die Argumente zu sammeln und zu organisieren. Doch auch hier gerieten wir schnell an unsere Grenzen. Das Pad wurde lang und unübersichtlich. Lösung: Ein Wiki musste her, um den Überblick nicht zu verlieren, gerade da die Diskussion nicht schon wieder nach wenigen Tagen verebbte.

Mich selbst überraschte, wie sehr mich das Thema „Open Access Journal“ plötzlich zu interessieren begann. Gerade weil es darum ging, etwas möglichst funktionierend von Anfang an aufzubauen. Ich bin kein Experte für das Thema (elektronisches) Publizieren, aber die Eindrücke bei der Diskussion machten mich neugierig und deshalb blieb ich dabei, versuchte die Diskussion voran zu treiben, aber damals blieb es nur bei der Diskussion. Das lag unter anderem daran, dass die Diskussion sich in Kleinigkeiten verlor und keiner, der genug Erfahrung hatte, soetwas umzusetzen, bereit war, das Zepter in die Hand zu nehmen.

NewLIS, wie die Idee eines OA-Journals bald nur noch genannt wurde, ließ mich nicht los. Mit 027.7 gründeten zwei Schweitzer Kollegen ein erfolgreiches E-Journal, als für sie absehbar war, dass aus der #newLIS-Diskussion nichts Konkretes werden würde. Ein wenig habe ich damals bedauert, dass dieses „Kind“ nur mittelbar aus der Diskussion entstand, aber die Diskutierenden nicht an dessen Entstehung beteiligt waren.

Sobald auch zukünftig das Stichwort #newLIS fiel, horchte ich auf, erklärte ggf. Hintergründe oder moderierte wieder ein wenig aufkeimende Diskussionen in der Hoffnung, dass knapp zwei Jahre, in denen einige von uns mit dieser Idee eines OA-Journals für den Informationsbereich schwanger gingen, lang genug wären, um das „Baby“ endlich ans Tageslicht zu holen.

Es blieb längere Zeit ruhig um diese Idee. Verschiedene Formen von OA-Zeitschriften für die Library Information Siences wurden besprochen, aber das, was in der Diskussion zu #newLIS immer wieder durchklang, dass das Journal nicht nur deutschsprachig, sondern auch weit aufgestellt sein sollte, war selten dabei.

Februar diesen Jahres poppte die Diskussion um #newLIS erneut auf. Vordiskussionen wurden aufgegriffen und endlich wirkte es so, als ob doch noch etwas Konkretes aus der bisher sehr theoretisch und meinungsorientiert geführten Diskussion um ein Open Access-Journal werden könnte. Lambert und Rudolf haben dann die Dinge in die Hand genommen und das Konzept für das e-Journal, das als direktes Kind von #newLIS entstehen soll, entwickelt. Vielen Dank an der Stelle für eure Initiative, die aus dem Wust an Ideen, eine tolle und umsetzbare Vorlage für eine produktive weitere Diskussion lieferte.

Dann ging es relativ schnell. Bewusst auf wenige Beteiligte reduziert, wurde über diese Vorlage und die Umsetzung in ein Journal mit dem Titel „Informationspraxis“ weiterdiskutiert und Schritte in die Wege geleitet, daraus ein laufendes Projekt zu machen.

Warum bin ich bei „Informationspraxis“ dabei und welche Fragen leiten mich im Hintergrund?

  • Ich möchte miterleben, was bei E-Journals möglich ist. Die Form von „gesammelten“ Ausgaben stellt sicher, dass die Texte aktuell veröffentlicht werden und nicht irgendwann.
  • Ich bin neugierig, welche Formen Beiträge annehmen können. Können wir Multimedia in einem Journal ausschöpfen (praktisch und technisch)?
  • Das Journal hat sich in der Diskussion darum durch hohe Transparenz ausgezeichnet. Auf welche Arbeitsschritte beim Publizieren lässt sich dies noch übertragen? Funktioniert Peer Review in einer offenen Form?
  • Das Journal wurde durch einen Teil der LIS-Community initiiert und heute finden sich Menschen dabei, die wir mit unserer Diskussion davon überzeugt haben. Mit Menschen, die auf ein gleiches Ziel hinarbeiten, verspricht ein gutes Arbeiten.
  • Kontroversen. Auch die gibt es in meiner Auseinandersetzung mit diesem Journal. Ab wann wird „Praxis“ banal, ab wann erleichtert ihre Beschreibung die Arbeit? Wieviel Wissenschaftlichkeit kann man so in die Praxis, die oft aus Notwendigkeiten verändert wird, hineinbringen?
  • Wie kann das kooperative Erarbeiten von Inhalten gestaltet und gegebenenfalls durch Informationspraxis begleitet werden?

Ich weiß noch nicht, welche Aufgaben ich mir in Bezug auf die Mitarbeit an diesem Journal konkret vorstellen kann, aber nach zwei Jahren guter Diskussionen möchte ich jetzt auch nicht einfach gehen und sagen: Macht ihr nur ohne mich weiter. Es gibt so einige Stellen, in die ich hineinschnuppern möchte und vielleicht findet sich dann auch die passende Aufgabe, mit der ich mich beteiligen kann.

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